Brauchen wir männliche Menstruation Allies?

Brauchen wir männliche Menstruation Allies?

Auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten viel zum Positiven verändert hat, leben wir immer noch in einem Patriachat, in dem von der Gesellschaft als typisch männlich empfundene Eigenschaften anders bewertet werden als typisch weibliche. Verhalten wird teilweise anders wahrgenommen, je nach Geschlecht dessen, bei dem es beobachtet wird. Dies ist ein Grund für die Stigmata, die Menstruation anhaften. „So what would happen if suddenly, magically, men could menstruate and women could not? Clearly, menstruation would become an enviable, worthy, masculine event”, hat Gloria Steinem dieses Phänomen zusammen gefasst[1]. Der patriarchalische Narrativ, auf dem unsere Gesellschaft aufgebaut ist, und der sich nur durch aktive Gegenwehr langsam dekonstruiert, hat auch auch die Periode zu einem nicht-gesellschaftsfähigen, schmutzigen Vorgang degradiert. Inwieweit brauchen menstruierende Menschen nun auch die Unterstützung von cis-Männern, gegen dieses Tabu anzukämpfen? Helfen uns Männer, dabei das Patriachat zu Fall zu bringen?


Male Allies und ihre Motive

Ja, solange ihre Motive die richtigen sind. Sie haben es in vielen Fällen leichter, sich gegen Normen zu stellen, weil cis-Männer oft eher cis-Männern zuhören und weil sie mit höherer Wahrscheinlichkeit soziale Positionen einnehmen, die es ihnen ermöglichen, Einfluss auszuüben. Gleichzeitig ist es nicht ihr Kampf, sie sind nur eine Unterstützung. Männliche Unterstützung birgt die Gefahr des „Heiligenschein-Effekts“. Männer, die sich für die Belange Menstruierender einsetzen, werden übermäßig und ungerechtfertigt positiv bewertet. Schließlich ist Menstruation ein Thema, bei dem wir alle ein Interesse daran haben, dass es weniger aufgeladen mit Vorurteilen ist! Allies sollten zudem nicht dadurch motiviert sein, dass sie in Aktivismuskreisen damit besonders große Datingchancen haben. Frauen, Transmenschen, Nicht-Binäre, Menschen mit einer nicht heterosexuellen Orientierung und alle anderen, die die Gesellschaft unsichtbar macht, sollte die Chance gegeben werden, sich selbst zu befreien – wobei ihnen Unterstützung aber sehr viel helfen kann! Ein Rückfall in alte Rollenbilder, bei denen Frauen auf die Hilfe von Männern angewiesen sind, muss absolut vermieden werden. Gleichzeitig ermöglicht es der Feminismus Männern, auch Männlichkeit zu rekonstruieren und das toxische System zu verlassen in dem auch sie eingeschränkt sind (wenn auch weniger als marginalisierte soziale Gruppen). Wenn alle das gleiche Ziel haben, ist Unterstützung überaus wertvoll. Doch wie können Männer menstruierende Personen ganz praktisch bei diesem Thema unterstützen?


1. Infrastruktur bereitstellen

Dies klingt banal, denn die meisten Menschen haben ohnehin einen Mülleimer im Bad und in vielen Szenekneipen und selbst in vielen Kneipen kann man Hygieneprodukte auf der Toilette erwerben. Doch in zahlreichen, kritischen Bereichen, in denen oft Männer die Planungsentscheidungen treffen, werden Mülleimer auf Toiletten vergessen, es gibt nicht ausreichend Privatsphäre für Menstruierende oder kein Zugang zu Hygieneprodukten. Camps für Geflüchtete sind hier ein gewaltiges Problem, so dass sich Frauen oder Menschen mit einer anderen Geschlechtsidentität, die ihre Periode haben, in Gefahr bringen müssen, in dem sie sich z.B. Mitten in der Nach auf die Toilette schleichen, indem Türen nicht abschließbar sind, indem Frauen Transfersex für Hygieneprodukte eingehen müssen[2]. Aber auch in Kneipen, Sportvereinen, den eigenen vier Wänden und so weiter sollten Männer ein Bewusstsein für Menstruationsinfrastruktur in sanitären Einrichtungen entwickeln!

2. Zuhören und ernst nehmen!

Ein offenes Ohr kann sehr viel Veränderung bewirken. Stattdessen sollte niemand einfach Annahmen treffen, wie „Frauen sind, wenn sie menstruieren“ und keine Korrelationen zwischen der Vernünftigkeit einer Person und ihrem Zyklus ziehen. Menschen sind keine statischen Wesen, auch männliche Körper sind gewissen hormonellen Schwankungen unterworfen, auch ihre emotionalen Zustände können von äußeren Umständen und körperlichen Gegebenheiten abhängen, die Gesellschaft hat dies aber oft weniger auf dem Schirm als die Stimmungsschwankungen, unter denen manche Menstruierende leiden und die bei weitem nicht alle betrifft!

3. Keine Bekundungen des Ekels

Menstruationsblut ist Blut, ist Blut, ist Blut … mit ein wenig abgestoßener Schleimhaut und Sekret. Per se nicht ekliger, als andere Körperflüssigkeiten. Also sollte auch niemand seinen Ekel hierfür zur Schau stellen und damit auch Menstruierende indirekt als eklig deklarieren. Auch Witze über Sex und Menstruation sind überhaupt nicht angebracht. Das ist ein Thema, dass nur die beiden jeweils beteiligten etwas angeht! Hilf stattdessen bei einem Reframing mit. Dabei geht es nicht darum, alberne und ausweichende Begriffe wie „Erdbeerwoche“ zu verwenden, sondern, dass gesellschaftliche Bild von Menstruation zu normalisieren und endlich als natürliches Phänomen darzustellen. Sprich mit deinen Freunden, die sich als Männer identifizieren über Menstruation, als sei es die normalste Sache der Welt – denn das ist sie. Öffne einen Raum für deine Freunde, in dem sie ihre Unsicherheit bezüglich Menstruation thematisieren und abbauen können.

3. Bilde und unterstütze!

Sprich mit deinem Kind über das Thema, mit den Kindern deiner Geschwister oder anderen Menschen in deinem Umfeld, zu denen du eine Vertrauensbeziehung hast und die vielleicht keinen anderen haben, den sie zu diesem Thema ansprechen können. Sprich mit Biologielehrer*innen über das Thema! Vielleicht haben sie nicht auf dem Schirm, wie wichtig es als Teil des Aufklärungsunterrichts ist. Davon können dann alle Kinder der Klasse profitieren, vor allem aber jene, die mit ihren eigenen Eltern nicht über solche Themen sprechen können.

4. Denke grenzübergreifend

Kämpfe für eine Steuerreduktion von Hygieneartikeln, denn für viele Frauen ist es eine überproportionale finanzielle Belastung. Einmal ganz abgesehen, dass der hohe Mehrwertsteuersatz auf ein dermaßen grundlegendes Produkt eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist. Bedenke, dass Frauen und andere Menstruierende außerhalb deines Bekanntenkreis wesentlich verletzlicher sein könnten, als du denkst und setze dich auch für sie ein. Armut und Menstruation sind eine schlechte Kombination und in vielen Ländern verhindert sie immer noch Geschlechtergerechtigkeit, Bildung und Sicherheit von Mädchen! Menstruation und eine adäquate hygienische Versorgung währenddessen sollten ein Menschenrecht sein. UNICEF bildet bereits Jungen zu Menstruations Allies aus, nach eigenen Angaben wird dabei die Zahl der Jungen, die es für falsch halten, Mädchen aufgrund von Menstruation zu mobben, von 61% auf 95% erhöht.[3] Sei du Teil dieser Bewegung!


[1] Gloria Steinem, If Men could menstruate, Ms. Magazine, October 1978

[2] Einen informativen Beitrag zum Thema liefert der Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/menstruation-in-fluechtlingslagern-einmal-im-monat-ohne-wuerde

[3] https://www.unicef.org/stories/how-girls-boys-are-busting-period-myths-5-countries


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